Erlebnis

Das Eiswettfest ist ein echtes Erlebnis und zählt eindeutig zu den gesellschaftlichen Höhepunkten in Bremen. Wenn man zum ersten Mal daran teilnimmt, bekommt man schon mit der Einladung einen Vorgeschmack auf wohlformulierte Worte, sorgsam gehütete Rituale und strenge Etikette. Aber keine Angst: „Keiner wird allein gelassen“, erzählt ein Bremer Unternehmer, der 2015 erstmals beim Eiswettfest dabei war. „Die Eiswettgesellschaft ist an diesem Tag tatsächlich eine Gemeinschaft, in der man sich sehr schnell sehr wohl fühlt. Der Gastgeber gibt einem die nötigen Tipps und Hinweise - und alles andere guckt man sich einfach von den anderen Herren am Tisch ab.“

Die anderen Herren – das sind die etwa 13 bis 15 Herren, mit denen man die acht Stunden verbringt. „An meinem Tisch gab es eine gute Mischung aus Politik, Wirtschaft und Kirche, lokal wie national. Daraus haben sich spannende Gespräche ergeben – und wir haben auch viel Spaß gehabt.“ Natürlich bleibt bei acht Stunden der Small Talk nicht aus, „aber wenn man neugierig auf Menschen ist, ist die Eiswette eine großartige Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und einige Themen vielleicht auch zu vertiefen.“

Obwohl: So viel Zeit hat man dafür nun auch nicht. „Das Eiswettfest ist quasi eine Abfolge von vielen Ritualen, das ist schon etwas Besonderes. Jedes auch noch so kleine Ritual hat etwas Feierliches. Das beginnt schon, wenn der Zeremonienmeister die Glocke schlägt und der ganze Saal leise wird.“ Apropos Zeremonienmeister: „Er achtet sehr darauf, dass der Zeitplan eingehalten wird, aber trotzdem kann man ganz entspannt essen.“

Lustig und locker ging es auch bei Reden zu, dass „die Eiswette eine Spaßgesellschaft ist, die mit großem Ernst betrieben wird“ oder auch „eine Männer-Kohl-und-Pinkelfahrt mit Wette und ohne Wandern“ hat der Präsident ja schon ganz richtig formuliert. „Die Gäste-Rede war sehr launig. Einem Münchner Oberbürgermeister bleibt in Bremen ja auch fast nichts anderes übrig, als sich über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Nord und Süd auszulassen. Und er hat sich gefragt, warum ausgerechnet der Bayer die Schuldenberge an der Weser abtragen soll, statt sich in der eigenen Bergwelt zu amüsieren. Großartig!“

Tatsächlich sehnsüchtig erwartet wird die RauPiPau. „Darauf haben sich bei uns am Tisch alle gefreut. Es war eine willkommene Unterbrechung, um sich ganz locker auch mit anderen Gästen und Genossen unterhalten und ein Bier trinken zu können. Und natürlich auch all das zu machen, wofür die RauPiPau gedacht ist.“ 

Aber nicht vergessen, dass die Eiswette ja auch einem guten Zweck dient. Direkt nach der RauPiPau ruft der Schatzmeister zur Sammlung für die Seenotretter auf. „Da zählt niemand ein Bündel Geldscheine durch, sondern jeder schreibt ganz dezent eine Zahl auf seine Visitenkarte. Diese werden dann ebenso dezent von den Tischältesten eingesammelt – jeder schiebt seine Karte zwischen zwei Suppenteller wie in einen Briefkasten. Dadurch fühlt man sich frei und unbeobachtet bei der Entscheidung, wie viel man spenden möchte.“

„Und man fiebert tatsächlich mit, ob das Spendenergebnis höher ist als im Vorjahr oder ob es sogar ein neues Rekordergebnis ist. Denn wenn das geklappt hat, dann wäre es umso schöner, daran beteiligt gewesen zu sein.“ 

Einer der bewegendsten Momente war, als nach der Ehrung und der Aufnahme der Novizen alle aufgestanden sind und gemeinsam das Eiswettlied gesungen haben. „Das war ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl, ich hatte tatsächlich eine Gänsehaut.“