Ablauf

Am Eiswettfest nehmen jedes Jahr knapp 800 Gäste teil. Von ihnen sind gut 300 Eiswett-Genossen, die jeweils einen Gast mitbringen dürfen. Dazu kommen das Präsidium, die Novizen sowie die vom Präsidium geladenen Ehrengäste und natürlich Frau Weser, die mit dem Schneider beim Schwur der Novizen sowie bei der Ehrung der Jubilare dabei ist.

Ganz wichtig ist auch: Es sind Eiswett-Genossen - und keine Genossen. Der kleine aber feine Unterschied liegt darin, dass Eiswett-Genossen von "genießen" kommt: Sie haben (den Braunkohl) genossen. Die ganz normalen Genossen sind eben einfach nur Genossen.

Das Eiswettfest ist eine Herausforderung für jeden Logistiker. Ein mehrgängiges Menü, mehrere Reden, die Spendensammlung, die Ehrung der Jubilare und Aufnahmen der Novizen, Musik und Kabarett - all das ist immer am 3. Samstag im Januar von 14.30 Uhr bis 22.30 Uhr minutiös durchgeplant. Der Ablauf wird vom Zeremonienmeister strengstens überwacht - und er ist gnadenlos. 

15.00 Uhr: Nach dem Einzug der Gäste führt der Zeremonienmeister den Präsidenten und die Ehrengäste in den Hansesaal des Congress Centrum Bremen. Im Saal verteilen sich etwa 50 runde, weiß eingedeckte Tische wie Eisschollen auf der Weser.

Das Glockenzeichen des Präsidenten erklingt und gemeinsam wird der abberufenen Eiswettgenossen gedacht.

15.35 Uhr: Nach der Vorspeise folgt die Ansprache des Präsidenten Dr. Patrick Wendisch.

16.12 Uhr: Rechnungslegung durch den Schatzmeister.

Der richtige Zeitpunkt für eine der vielen Tischrunden? Immer dann, wenn der Tischälteste das Signal gibt. 

16.57 Uhr: Ansage des Präsidenten

16.59 Uhr: Deutschland- und Bremen-Rede, Dr. Joe Kaeser (Siemens AG, Vorsitzender des Vorstandes)

17.29 Uhr: Gemeinsam wird die Nationalhymne gesungen.

18.30 Uhr: Die Fanfaren der Kapelle ertönen - es folgt der Einmarsch des Notarius Publicus. 

18.32 Uhr: Rede des Notarius Publicus und Austragung der Eiswette. Dazu werden alle Eiswett-Genossen auf zwei Listen verteilt, es gibt eine rote und eine grüne Liste, selbstverständlich frei von jeder politischen Anspielung. Die Ehrengäste der Eiswette ziehen aus einem Beutel die Farbe der wettenden Liste und aus einem zweiten Beutel den Inhalt der Wette. Beispiel rote Liste und "Weser zu": Wenn die Weser im kommenden Jahr nicht zugefroren ist, hat die rote Liste verloren und muss mit einem geringen Obulus symbolisch das Eiswettfest bezahlen.  

18.59 Uhr: Endlich RauPiPau! In dieser einstündigen Pause können die Herren außerhalb des Saales rauchen, sich zwanglos unterhalten und ein Bierchen dazu trinken. Im Saal gibt es nämlich nur Wein, Rauchen ist dort nicht erlaubt. Und das "Pi"? Nun, das können Sie sich sicher selbst erklären. Unsere "RauPiPau" hat sich inzwischen jedenfalls zu einem echten Markenzeichen der Eiswette entwickelt, das jüngst sogar ganz offiziell in das Markenregister eingetragen wurde.

20.01 Uhr: Eiswett-Kabarett 

20.38 Uhr: Nach dem Aufruf des Schatzmeisters beginnt die Spendensammlung für die Seenotretter. 

21.00 Uhr: Ein feierlicher Moment. Zu den Klängen des "Weserliedes" und bei Kerzenschein ziehen die Jubilare und Novizen in den Saal ein. 

21.05 Uhr: Es folgt der gewissermaßen familiäre Teil der Eiswett-Genossenschaft: Für 25-, 40- oder gar 50-jährige Zugehörigkeit werden die Jubilare geehrt.

Es war ein langes, hartes Jahr für die Novizen: Sie haben sich durch Armut, Keuschheit und Demut für ihre Aufnahme in die Gemeinschaft der Eiswett-Genossen qualifiziert. So zumindest die offizielle Version - ob sie wirklich ein Jahr so enthaltsam gelebt haben, wer weiß das schon? 

Wie man Eiswett-Genosse wird und welche Kriterien das hochweise Präsidium bei der Auswahl der Novizen anlegt, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse in Bremen. Nur soviel ist durchgedrungen: Wer sich selbst bewirbt, kann in der Gewissheit leben, nie Eiswett-Genosse zu werden. 

"Möchten Sie sich vielleicht hinsetzen?" wurde Reinhard Hardegen gefragt. "Aber nein, wenn ich hier einmal sitze, dann komme ich nicht wieder hoch", lautete seine Antwort. Beeindruckend, wie rüstig der 102-Jährige die Ehrennadel zu seinem 50-jährigen Jubiläum als Eiswett-Genosse entgegen nahm. Und selbstverständlich stieß auch er mit einem Schnaps darauf an. 

21.25 Uhr: Und genauso feierlich wie er begonnen hat, geht dieser feierliche Moment auch wieder zu Ende: Während alle Gäste das Eiswett-Lied singen, verlassen die Jubilare und die frischgebackenen Eiswett-Genossen die Bühne. 

21.42 Uhr: Der Münchner Altbürgermeister Christian Ude hält die Bremen-Rede. Ausgerechnet! Aber keine Sorge: In der Bremen-Rede ist ausdrücklich erwünscht, dass der Ehrengast den Bremern den Spiegel ein wenig vorhält. Auch wenn er aus München kommt.

22.16 Uhr: Jetzt wird es spannend: Der Schatzmeister verkündet das Ergebnis der Spendensammlung.

22.30 Uhr: Nach dem Schlusswort des Präsidenten verlässt die Eiswett-Gemeinschaft den Saal zu den Klängen des Tölzer Schützenmarsches. Schön war's.